August: Reliquienring

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Spätmittelalterlicher Reliquienring

Das Meisterstück eines spätgotischen Goldschmieds aus dem Saarland ist das Objekt des Monats August im Deutschen Edelsteinmuseum.

Der feuervergoldete Silberring ist 46 g schwer, die achteckige Ringplatte 4,9 cm lang und 4,25 cm breit.
Das einzigartige Schmuckstück beeindruckt durch den großen achteckigen Bergkristall-Cabochon, der von 4 Spitzkrampen gehalten und von ehemals 25 kleinen runden Edelsteinen bekränzt wurde. In den Silberblechfassungen sind abwechselnd noch 11 rund geschliffene Türkise und 9 Almandine erhalten geblieben.


Die Ringplatte mit Bergkristall ist aufklappbar.
Darunter befindet sich ein Hohlraum, in dem eine Reliquie aufbewahrt wurde. Erhalten sind nur noch kleine textile Reste. Die Ringschiene von 3,9 cm Durchmesser endet an der Ringschulter in kleinen Hunde- bzw. Drachenköpfen.

Der Ring wurde 1985 bei Ausgrabungen in der Stiftskirche St. Arnual in Saarbrücken in der Nähe des nördlichen Seitenschiffes gefunden und datiert etwa ins 13. bis 14. Jahrhundert. Vergleichsfunde deuten darauf hin, dass es sich hier um einen Bischofsring handelt, der über einem (Pontifikal-) Handschuh getragen wurde und eine Grabbeigabe eines hohen Geistlichen war.
Dafür spricht auch der ungewöhnlich große Bergkristall, der im Mittelalter eine große Bedeutung als Heil- und Amulettstein mit magischem Symbolcharakter hatte.

Schriftliche Quellen belegen, dass bereits im 14. Jahrhundert in der Region Metz-Saarbrücken die Kunst des Edelsteinschleifens einen hohen Qualitätsstandard erreichte.
(Fotos: © Landesdenkmalamt des Saarlandes, Nicole Kasparek)

 
 

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